Spezialisierung & Training
Was können interdisziplinäre Teams
von der GSG 9 lernen?
Was können interdisziplinäre Teams von der GSG 9 lernen?
©AdobeStock/Belish
©AdobeStock/Belish
Wer es in die GSG 9 geschafft hat, zählt unumstritten zur polizeilichen Elite. Die Spezialeinheit zählt rund 300 Mann, das Auswahlverfahren ist eine Grenzerfahrung. Nur zehn bis maximal 15 Prozent der Bewerber:innen schaffen es, sich für dieses Sonderkommando zu qualifizieren. Was das mit OP-Organisationen zu tun hat? Vor allem eines: In Extrem- wie auch Routinesituationen müssen interdisziplinäre Teams konsequent und sicher ihre Leistung abrufen können. Wie das gelingen kann, haben wir auf der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) in Erfahrung gebracht.
In Kürze
- Wir waren auf dem DGTHG-Kongress in Hamburg und zeigen Ihnen auf, was die GSG 9 und der OP gemeinsam haben.
- Im OP kommt es vor allem auf das Vertrauen in die eigenen Kompetenzen, gegenseitiges Vertrauen im Team, Zusammenarbeit und Absprachen, Spezialisierung und sichere Technologie-Anwendung an.
- Weitere aktuelle DGTHG-Themen: Neue Richtlinien zur Praxisanleitung, Generations-Unterschiede am Arbeitsplatz, Dauerbrenner Organ- und Gewebespende und jenseits der Agenda: Unsere Kongress-Gespräche unter vier Augen.
GSG 9 – Taskforce für die speziellen Einsätze
Obwohl der Karriereweg selbstverständlich allen Geschlechtern offensteht, konnte sich bis dato noch keine Frau für den Einsatz innerhalb der Taskforce qualifizieren. Die Männer der GSG 9 also werden speziell dafür ausgebildet, riskante Einsätze jenseits von planbaren Normen zu meistern. Bei Geiselnahmen, Terroranschlägen und Bombenentschärfungen gibt es keine vorhersehbaren Standards. Es kommt darauf an, in Sekundenschnelle die richtigen Entscheidungen zu treffen. Dazu muss täglich geübt und trainiert werden. Und längst nicht jede:r ist für diese Belastung mental und körperlich geeignet.
Ähnlich wie im OP
Im OP ist es ähnlich. Patient:innen vertrauen dem OP-Team ihr Leben an. Sie bauen darauf, dass Spezialisten am Werk sind, die alles tun, damit sie gesunden können. Passend dazu war die diesjährige Eröffnung des DGTHG-Kongresses alles andere als gewöhnlich. Sie startete mit einem Auftritt der GSG 9, die sich zu Beginn des Kongresses vorstellte und die Parallelen zum OP aufzeigte.
Teamzusammenhalt in Extremsituationen
Was ist wichtig, damit die GSG 9 auch in Extremsituationen sicher als Team funktionieren und ihre Mission erfüllen kann? Es kommt vor allem auf diese 4 Punkte an:
1. Vertrauen in die eigenen Kompetenzen
Vertrauen beginnt bei sich selbst. In der GSG 9 ist es wichtig, ein absolutes Vertrauen in die eigenen Kompetenzen zu haben. Ein kurzes Hadern, ob man gerade imstande sei, zu liefern, was die Situation erfordert, kann im entscheidenden Moment die ganze Mission gefährden.
Ebenso ist es im OP. Bei komplexen OPs sowie in Notfällen gibt es keine Zeit für Selbstzweifel. Das Vertrauen in sich selbst und die eigenen Fähigkeiten ist entscheidend.
2. Gegenseitiges Vertrauen im Team
Bei der GSG 9 vertraut man den Kollegen sein Leben an. Es ist wichtig, sich zu 100 Prozent aufeinander verlassen zu können.
Im OP geht es um das Leben von Patient:innen. Auch hier ist es im Alltag als auch in Notfällen wichtig, dass die Abläufe sitzen und sich jede:r auf die anderen Teammitglieder genauso sicher verlassen kann wie auf sich selbst.
3. Zusammenarbeit und Absprachen
Die GSG 9 funktioniert als Team und ist nichts für Einzelkämpfer. Es gibt einen starken Zusammenhalt und klare Absprachen, um gemeinsam die gesteckten Ziele zu erreichen.
Ebenso ist im OP kein Platz für Star-Allüren. Je besser der Zusammenhalt und je klarer die Absprachen im Team, desto sicherer ist das Ergebnis für die Patient:innen.
4. Spezialisierung und Technik
Bei der GSG 9 arbeiten bestausgebildete Profis, die nicht nur körperlich, fachlich und mental topfit, sondern auch exzellent in ihrer Nische sind. Jeder muss die Maschinen und die Technik, die seinen Einsatz unterstützen, blind beherrschen und bedienen können. Anwenderfehler können Menschenleben kosten.
Und genau so ist es im OP – und erst recht im Hybrid-OP. Die modernste Technik nutzt nichts und ist sogar gefährlich, wenn sie nicht sicher beherrscht wird. Weiterbildung und Spezialisierung waren deshalb ein Kernthema des Kongresses.
SERVICEANGEBOT
SPEZIALISIERUNG ZUM HYBRID-OP-MASTER
Wenn der OP die Einsatz-Polizei ist, dann ist der Hybrid-OP Ihre GSG 9-Einheit.
Finden Sie die geeigneten Personen für die GSG 9-Hybrid-OP – unsere Akademie unterstützt Sie bei der Auswahl der Fachkräfte und bildet und trainiert Ihr Spezialteam, bis es die Anforderungen im Hybrid-OP vollumfänglich und abrufbar beherrscht, wenn es darauf an kommt.
HOT-Basic, HOT-Master oder HOT-Sprinter? Finden Sie mit unserer Checkliste heraus, was die ideale Trainingseinheit für Ihr Spezialteam ist.
Für Sie KURZ zusammengefasst: Top-Themen des DGTHG-Kongresses
Richtlinien zur Praxisanleitung (OTA und ATA-Ausbildung)
- OTAs dürfen nur von OTAs oder Fachpflegekräften mit Fachweiterbildung OP angelernt werden. Dabei muss die Praxisanleitung mindestens 15 % der Zeit eines Einsatzes der praktischen Ausbildung betragen.
- Diese Regelungen sind gerade in kleineren Häusern schwer umzusetzen, denn es mangelt an Praxisanleiter:innen. Da Zusatzvergütung und Anerkennung fehlen, mangelt es an Nachwuchs für die Praxisanleitung.
- Hinzu kommt, dass Auszubildende jetzt in einem Umfang von 80 Stunden den Nachtdienst kennenlernen müssen. Doch einige Kliniken arbeiten nicht im 3-Schichtmodell und können dies so nicht gewährleisten. Häufig ist es nicht möglich, den Schüler:innen im Bereitschaftsdienst den erforderlichen Schlafplatz zu stellen.
- Hier sind kreative Lösungen gefragt, um jungen Nachwuchskräften die bestmögliche Ausbildung zu bieten.
Generations-Unterschiede am Arbeitsplatz
- Es ist allgemein bekannt, dass Generationen X und Y andere Bedürfnisse und Lebensvorstellungen haben als die Babyboomer. Seit einigen Jahren trifft die Generation Z, die ab 1995 geboren ist, auf den Arbeitsmarkt. Diese Gruppe gilt als gesundheits- und umweltbewusst, ungeduldig und fordernd, Technologie-affin und immer online.
- Sich über diese Eigenschaften zu beschweren, ist keine Lösung. Die Gen Z ist zum Beispiel sehr offen für digitales Onboarding und Mentoring, jedoch nicht bereit, die Gesundheit für die Karriere zu opfern.
- Jammern hilft nicht weiter. Stattdessen sind Kliniken gut beraten, sich auf die Bedürfnisse der jungen Generationen einzustellen.
Dauerbrenner Organ- und Gewebespende
- 86 Prozent der Deutschen finden Organspende grundsätzlich positiv, doch nur 41 Prozent haben einen Organspende-Ausweis. Es gilt, diese Lücke zu schließen, um Menschenleben zu retten. Diese Mission unterstützen wir von JR OP-TIMIERT® gern.
- Hier können Sie Ihren Organspendeausweis als Plastikkarte bestellen.
- Weiterführende Informationen zur Organspende: www.dso.de
Gespräche unter vier Augen
- In den Pausen hatten wir viele Gelegenheiten, vertrauliche Gespräche unter 4 Augen zu führen. Wieder wurde das Dauerthema Personalmangel und Leiharbeit diskutiert. Wir berichteten.
- Gleichzeitig zeigt sich, dass OP-Pflegekräfte sich nicht gesehen und nicht wertgeschätzt fühlen. Etwa, wenn die Parkplätze für Pflegepersonal gekündigt werden und die Parksituation in Großstädten brisant ist. Die Aussage „Wenn das kommt, suche ich mir einen neuen Job“ ist durchaus nachvollziehbar.
- Es gilt, Wertschätzung sichtbar zu machen und strukturelle Probleme anzugehen, um motiviertes Fachpersonal zu halten.
Perspektiven für Ihre Leistungsträger:innen
OP-Kräfte kündigen, wenn sie keine Perspektiven für sich erkennen können. Schaffen Sie Abhilfe. Machen Sie Ihren Hybrid-OP zum Rendite-Garanten und bilden Sie Ihre Leistungsträger weiter fort. Der nächste HOT-Master-Kurs startet im Herbst 2023.
SERVICEANGEBOT
TECHNOLOGIE EFFIZIENT NUTZEN
Kompetenzen im Hybrid-OP
Die zertifizierte Hybrid-OP-Technik-Weiterbildung (HOT) ist die europaweit einzige Fachweiterbildung, die medizinisches Fachpersonal umfassend im Umgang mit den speziellen Anforderungen an moderne bildgestützte Therapieverfahren im interventionellen sowie offen-chirurgischen Umfeld qualifiziert.
- Kombination aus modularen Präsenz- und E-Learning-Einheiten
- Spaß am Lernen mit einer der modernsten Wissens- und Lernplattformen
- Maximale Flexibilität und Planbarkeit durch kurze Abwesenheitszeiten
Weitere Beiträge zum Thema:
Mensch vs. Technik – wer führt eigentlich wen im High-Tech-OP?
Mit modernster High-Tech ausgestattet, zählen Hybrid-Operationssäle zu den Aushängeschildern heutiger Hochleistungs-Medizin. Profitieren sollen in erster Linie die Patient:innen. Doch für einen sicheren und effizienten Umgang mit der komplexen, vielseitigen Technologie müssen OP-Teams zunächst grundlegend befähigt und umfassend qualifiziert werden.
Zukunft kommt nicht zufällig – Leben und Arbeiten in 2030
Digitalisierung wird vieles auf den Kopf stellen, was für uns heute noch Normalität ist. Die nächste Generation wird mehr wissen, sehen, können und ihr Handeln und Tun an den neuen digitalen Status Quo anpassen. Was bedeutet das für das „Krankenhaus 2030“, wenn Kompetenzentwicklung und Befähigung der Menschen zum wichtigsten Motor der Gesellschaft werden?
Talentierte Fachkräfte begeistern und langfristig motivieren
Was spornt medizinische Fachkräfte an, sich unter der Vielzahl an Stellenausschreibungen für eine bestimmte Einrichtung zu entscheiden und ihr möglichst lange und motiviert treu zu bleiben?
Hinweis zur Sprache: Mit unseren Inhalten sprechen wir alle Menschen an – männlich, weiblich und divers. Wir haben uns bemüht, geschlechtsspezifische Sprachformen abzuwechseln und gleichzeitig eine gute Lesbarkeit der Texte zu wahren.