Wie Josephine Ruppert die OP-Sets nach Deutschland bringt

Wer mit JR-Kunden spricht, spürt sofort die Wertschätzung, die für die JR-Gründerin Josephine Ruppert vorhanden ist. „So wie die Frau Ruppert denkt, passt sie super zu uns“, heißt es. Und: „Josephine Ruppert hast du immer persönlich, wenn du sie brauchst.“ Doch manch einer ist zugegeben überrascht, wie es der zierlichen blonden Frau gelungen ist, den OP-Betrieb in Deutschland zu revolutionieren.

„Ich mag Menschen, ich mag die Vertriebsarbeit und ich bin selbst überzeugt von unseren Produkten“, sagt sie über sich selbst. In 16 Jahren Selbstständigkeit hat sie in über 600 Krankenhäusern die OP-Prozesse untersucht; sie gilt mittlerweile als anerkannte Vorreiterin und Expertin für Prozess-Optimierungen im OP-Bereich. Hinter diesem guten Ruf verbergen sich mutige Entscheidungen, Chancenintelligenz und Beharrlichkeit.

Josephine Ruppert, Gründerin von JR OP-TIMIERT ®

Der Schlüsselmoment

Ein Auto, ein Telefon und eine gute Idee im Kopf

Rupperts Erfolgsgeschichte beginnt, als sie in den USA die Wirkung von individualisierten OP-Sets im Operationssaal erlebt. „Das war ein Schlüsselmoment in meinem Leben“ erklärt sie. „Ich war sofort begeistert von dieser Idee, die mich nicht mehr loslassen sollte.“

In Deutschland ist sie zum damaligen Zeitpunkt noch fest angestellt und führt ein sorgenfreies Leben. Doch ihr Traum, die OP-Sets nach Deutschland zu bringen, lässt ihr keine Ruhe. In ihr reift der Wunsch, ihren lukrativen Job an den Nagel zu hängen.

Ihr Mann Bernhard Stiegelmayr unterstützt sie auf dem Sprung in die Selbstständigkeit. Er nimmt ihr die letzten Bedenken, ist ihr wichtigster Motivator und bestätigt ihr immer wieder: „Ich glaube an dich.“ Er verkauft sogar sein geliebtes BMW-Cabriolet, um seine Frau mit Startkapital zu unterstützen und ihr den Rücken freizuhalten. Geld, das sie dringend brauchen wird.

Ein Auto, ein Telefon und eine gute Idee im Kopf

„Im September 1998 habe ich mein Gewerbe angemeldet“ erinnert sie sich. „Alles was ich damals hatte, waren ein Auto, ein Telefon und eine gute Idee im Kopf.“ Sie setzt sich ins Auto und besucht Krankenhäuser. Klinkenputzen – von Montag bis Freitag ist sie quer durch Deutschland unterwegs.

Es hagelt Abfuhren. Die Einkäufer erklären: „Nette Idee, aber wir haben unsere Verträge. Deshalb sehen wir keine Notwendigkeit.“ Die Medizinprodukte-Hersteller offenbaren: „Wir haben unsere Direktverträge mit den Kliniken und Einkaufsgemeinschaften. Deutschland tickt anders.“ Die Anwender in den OP-Sälen verstehen die Vorteile, doch sie sind nicht die Entscheider.

„Das war eine harte Zeit“, resümiert Ruppert. „Wir mussten viele Angebote erstellen und konnten nur wenige umsetzen. Unsere Arbeit rechnete sich nicht. Bei den Teileherstellern mussten wir zum regulären Listenpreis einkaufen, während die Kliniken satte Rabatte erhielten.“

Doch Ruppert gibt nicht auf. Ihre Eltern, beide Arbeiter, haben ihr von Kindesbeinen an beigebracht, schwierige Phasen zu meistern und sich auf die eigenen Fähigkeiten und Stärken zu besinnen. Sie erinnert sich an die Worte ihrer Eltern: „Wir vertrauen dir. Du kannst das. Du schaffst das.“

So vergehen die Monate, bis in Leipzig ein neues Herzzentrum eröffnet. Ruppert nimmt mit dem dortigen Chefarzt Kontakt auf. Sie bekommt einen Termin im OP und findet Gehör. „Im Herzzentrum war man sofort begeistert von der Idee“, erinnert sie sich. Die Geschäftsführung erklärt sich bereit Auswertungen zu machen, Zeiten zu messen und zu prüfen, ob mit den OP-Sets Personal eingespart werden kann. Das Ergebnis der Analyse lautet: Ja!

Sie hat Glück, dass das neu erbaute Privatklinikum in Leipzig noch nicht in bestehenden Strukturen, Prozessen und Verträgen gefangen ist. Offen für Neues erkennt man hier die Potenziale der Sets: Das Herzzentrum wird Rupperts erster Großkunde. Ein Meilenstein in der Geschichte von JR. Jetzt erst beginnt die Branche, Josephine Ruppert ernst zu nehmen – schließlich hat sie eine der modernsten Privatkliniken überzeugt.

Deutschland tickt anders

„Wir vertrauen dir. Du kannst das. Du schaffst das.“

Jeder Fehler könnte ein Menschenleben kosten

Qualität steht an oberster Stelle

Qualität steht an oberster Stelle, sodass Prüfung, Einkauf und Verpackung der Einzelteile erst einmal zur Chefsache erkoren werden. Ruppert erklärt den Arbeitern höchstpersönlich, wie genau gepackt werden muss und welche Reihenfolge in der späteren Anwendung sinnvoll ist. „Das Packen der Sets ist eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe. Schließlich könnte jeder Fehler ein Menschenleben kosten“, sagt sie.

Qualität beginnt bei JR schon bei der Auswahl der Einzelteile.

„Unser Vorteil ist, dass wir selbst keine OP-Materialien herstellen und keinem Hersteller verpflichtet sind. Deshalb können wir die besten Einzelkomponenten herstellerübergreifend kombinieren. Jedes Einzelprodukt muss gut sein. Die Sets wiederum müssen perfekt gepackt, jederzeit verfügbar und anpassbar sein. Das Resultat: Man braucht das Set, Instrumentensiebe und sterile OP-Handschuhe – und eine Fachkraft kann allein beginnen.“

Immer wieder trifft Ruppert bei ihren Touren auf das typische Krankenhaus-Dilemma:

„Die Anwender verstehen den Mehrwert der Sets sofort, haben jedoch keinen Zugriff auf Kennzahlen für Prozesskosten. Die liegen im Controlling. Der Einkauf kennt in der Regel nur die Stückzahlen und die Materialkosten, er hat jedoch keine Übersicht über Personalkosten, Überstunden und Krankenstände, die sich durch Überlastung und unwirtschaftliche Prozesse ergeben. Die Klinikleitung nutzt Kennzahlen als Entscheidungsgrundlage. Diese verschleiern jedoch die vorliegende Ressourcen-Verschwendung aufgrund unwirtschaftlicher Prozesse.“

JR leistet Aufklärungsarbeit und hat Erfolg.

„Mittlerweile haben wir mehr als 30 Kliniken unter Vertrag. Viele unserer Kunden sind zehn Jahre und länger bei uns. Auf diese langfristige und partnerschaftliche Zusammenarbeit sind wir stolz“, sagt Ruppert.


Bernhard Stiegelmayr, der elf Jahre mit einem großen zahntechnischen Labor selbständig gewesen ist, arbeitet mittlerweile als Geschäftsführer bei JR mit. Während Ruppert die Frontfrau im Vertrieb ist, sorgt er für die Umsetzung in der Produktion und leitet den Innendienst.

Das Krankenhaus-Dilemma

JR leistet Aufklärungsarbeit und hat Erfolg.

JR Personal und Consulting

JR hilft mit qualifiziertem, geschultem Fachpersonal

„Bei den OP-Sets mussten wir Aufklärungsarbeit leisten. Alle weiteren Dienstleistungen haben sich immer aus dem Bedarf unserer Kunden ergeben“, erklären die beiden Inhaber. Auf den akuten OP-Fachkräfte-Mangel reagiert JR und gründet den JR-Personalservice. Ob für eine Woche oder für mehrere Monate: JR hilft mit qualifiziertem, geschultem Fachpersonal im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung aus.

Akute Probleme entstehen auch bei den Abläufen im OP, so dass JR-Consulting entsteht. „Die Sets sind im Handumdrehen einsatzbereit. Doch das nutzt nichts, wenn der Chirurg fehlt oder der Patient. An diesen Abläufen arbeiten wir mit den Krankenhäusern. Schließlich werden im OP 50 Prozent des gesamten Krankenhausbudgets verbraucht. Mit dem OP steht und fällt der wirtschaftliche Erfolg einer Klinik“, fasst Stiegelmayr zusammen.

Neue Herausforderung: Die Hybrid-OP-Technik

Aktuell sehen sich die OP-Fachkräfte mit der Hybrid-OP-Technik konfrontiert. Sie ist die bedeutendste chirurgische Innovation der letzten Jahrzehnte, eröffnet sie doch völlig neue Möglichkeiten der minimal-invasiven Therapie und in der Patientenversorgung.

„Allerdings ist es für das Personal nicht ganz einfach, sich auf diese komplett neue und andersartige Technik einzustellen“, erklärt Ruppert. „Man arbeitet im Dunkeln und mit Röntgenschürze, da man Strahlungen ausgesetzt ist. Hier gibt es wenige erfahrene Ärzte, kaum Standards sowie Ängste und Wiederstände beim Personal.“

Immer wieder erlebt das Team von JR, dass die teuren, hochmodernen Hybrid-OPs nicht ausgelastet werden, da das Fachpersonal unzureichend eingewiesen wurde und Berührungsängste mit der neuen Technik hat. „Doch diese neue Technik ist die Zukunft“, ist sich Stiegelmayr sicher. „Wer sie bedienen und einsetzen kann, bleibt wettbewerbsfähig und hat auch zukünftig die Nase vorn.“ Deshalb bildet JR Spezialisten aus, die auf die Anforderungen im Hybrid-OP geschult und trainiert sind.

Dieser neue, in Deutschland einzigartige Ausbildungsgang nennt sich Hybrid-OP-Techniker (HOT). „Wir bieten ihn in Kooperation mit der Steinbeis-Hochschule Berlin an, um Krankenhäusern fachkundiges Personal für den Hybrid-OP zur Verfügung zu stellen.“

Neu 2015: Die JR-Akademie

Unternehmen gesundes Krankenhaus

Wieder beweist sich JR als Vorreiter und unterstützt Entscheider bei den wachsenden Aufgaben und Herausforderungen. „Unsere Kunden nehmen ihren Versorgungsauftrag ernst. Trotz des enormen Kostendrucks steht bei ihnen die Patientensicherheit im Fokus.“

Nach mehr als 16 Jahren blickt Josephine Ruppert zufrieden zurück und ist froh, dass sie damals den entscheidenden Schritt ins Unternehmertum gewagt hat. „In Deutschland schreibt jedes zweite Krankenhaus rote Zahlen, jedes sechste steht vor der Insolvenz. Da freut es uns besonders, wenn unsere Kunden mit Hilfe optimierter OP-Prozesse wettbewerbsfähig werden und bleiben. Wir sehen uns als Partner der Krankenhäuser, begleiten und unterstützen sie bei der Erfüllung ihres Versorgungauftrags. Krankenhäuser überleben, wenn sie langfristig zu wirtschaftlich gesunden Unternehmen werden. Das ist unsere Mission.“

16 Jahre JR:
Die Entwicklungsgeschichte von JR

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