Mein Entspannungsrezept: An der Ostsee spazieren gehen

von Josephine Ruppert


Immer wieder fahre ich im Winter mit einer mir sehr vertrauten Freundin nach Usedom oder Rügen an die Ostsee – für mich der perfekte Ort, um auszuspannen. Dass mir das dort so gut gelingt, hat einen ganz speziellen Grund.

Unsere Tage auf der Insel folgen einer lieb gewonnenen Routine: Wenn wir aufgestanden sind, treffen wir uns für eine Stunde im Fitnessraum unseres Hotels, danach nehmen wir ein sehr spätes Frühstück zu uns, und dann gehen wir raus: Bei Wind und Wetter, ganz egal, wie kalt und ungemütlich es auch sein mag – drei bis vier Stunden spazieren wir an der Ostsee entlang. Der Strand scheint uns allein zu gehören, so wFoto-Blog2 stehendlängsenige Menschen sind unterwegs. Wir wollen die Stimmung intensiv einfangen, den Sand und die Muscheln unter den Füßen spüren, Bernsteinsucher beobachten, Möwen, Wellen und Wind hören, Sonne, Schneegestöber und Sturm erleben, Schiffe in der Ferne sehen und die Weite der rauen Ostsee in uns aufnehmen.

Uneingeschränkte Offenheit
Wir sprechen über alles, was uns auf der Seele liegt. Ohne Einschränkung sowie in dem Wissen, dass wir einander verstehen und füreinander die besten Zuhörerinnen, Beraterinnen und Motivatorinnen sind. Durchgepustet und wie befreit wärmen wir uns in einem Café wieder auf und freuen uns schon auf unsere Wellness-Behandlungen: Sauna und Massagen – stundenlang! Zum Abendessen treffen wir uns dann immer in meinem Zimmer und verspeisen die von unterwegs mitgebrachten Krabben, Räucherlachs und andere Fischspezialitäten. Wir machen es uns in den großen Sesseln gemütlich, genießen das Essen und den Wein und reden, reden, reden bis weit nach Mitternacht – so, als würde uns der Gesprächsstoff nie ausgehen und als bräuchten wir nie wieder etwas anderes als die Ostsee, die Spaziergänge, die Gespräche, die Krabben und uns.

Konzentration auf den Moment
Nach vier Tagen „entlassen“ wir uns in die Wirklichkeit und können es kaum glauben, dass diese wunderbare Zeit schon wieder vorbei ist – und dass es nur vier Tage waren. Es fühlt sich nämlich für uns beide so an, als seien wir mindestens 14 Tage unterwegs gewesen, so tief ist die Erholung.

Das liegt in meiner Wahrnehmung – neben unseren Gesprächen und der wunderbaren Natur – an einigen entscheidenden Faktoren:
• Wir fahren nicht oft an die Ostsee, einmal im Jahr, manchmal auch nur alle zwei Jahre.
• Wir sind im Winter dort – die Strände und Hotels sind leer.
• Die Smartphones bleiben aus. Wir sind nicht erreichbar und telefonieren nur in Ausnahmefällen.
• Das gilt auch für den Fernseher.

Der Grund, warum ich dort so gut entspannen kann, lässt sich also am ehesten mit dem Wort „Abstinenz“ auf den Punkt bringen. Nicht die Abstinenz von gutem Essen oder Alkohol, das nicht! Sondern die Abstinenz von all den Reizen, denen wir sonst beinahe rund um die Uhr ausgesetzt sind. Wir fahren zu einer Zeit an die Ostsee, in der sonst kaum andere Menschen dort sind. Wir machen uns unerreichbar für Telefonanrufe, E-Mails und alle Arten medialer Dauerberieselung, der wir sonst ausgesetzt sind. Wir konzentrieren uns auf den Moment, jede auf sich selbst und auf die andere. Der Alltag mit all seinen Anforderungen und Aufregungen ist ausgesperrt. Das gibt immense Ruhe und Kraft – die ich für mich und meine Arbeit sehr brauche.
Deshalb: Danke, liebe Carola, für das Geschenk dieser wertvollen gemeinsamen Zeit!