Im Interview:

Kathrin Schuch
Herzzentrum der Uniklinik Köln

Kathrin Schuch arbeitet im Herzzentrum der Uniklinik Köln und gehört als OP-Schwester zu den Pionieren des Hybrid-OPs. 2007 war sie europaweit eine der ersten Pflegekräfte, die die neue Technik kennen und bedienen lernte. Sie verrät im Interview, wie es ihr im Hybrid-OP und in der Ausbildung zur HOT (Hybrid-OP-Techniker/in) ergangen ist. Sie erläutert auch, warum eine seriöse Ausbildung für die neue Hybrid-OP-Technologie aus ihrer Sicht ein Muss und kein Luxus ist.

Ist „OP-Schwester“ für Sie ein Traumberuf?

Ja, für mich war es immer ein Kindheitstraum eines Tages OP-Schwester zu werden. Ich habe in Berlin meine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht und meine ersten Erfahrungen im OP gesammelt. Nach der Ausbildung bin ich direkt nach Köln gewechselt und bin seit 1993 im Haus. Angefangen habe ich im Zentral-OP, habe meine Anerkennungszeit und meine Fachausbildung zur Fachkrankenschwester gemacht. Als 2007 das Herzzentrum gebaut wurde, bin ich fest in das Herzzentrum gewechselt und habe mich auf die Herz- und Gefäßchirurgie spezialisiert. Das Herzzentrum wurde direkt mit Hybridsaal eröffnet – das erste europaweit.

Pioniere haben es häufig schwer. Wie gingen das OP-Team und Sie mit dieser neuen Technik um, zu der es keine oder nur wenige Erfahrungswerte gab?

Es war abenteuerlich. Da es kaum Erfahrungswerte gab, wurden wir anfänglich von den Geräteherstellern und -Spezialisten aus Australien auf Englisch angewiesen. Wir haben die Kinderkrankheiten der neuen Technologie kennengelernt. Vieles war „Learning by doing“. Darüber hinaus habe ich mich aufgrund von Eigeninteresse weitergebildet, gerade im Bereich der endovaskulären Methoden der Gefäßchirurgie und der TAVIs. 2008 waren wir eine der ersten Kliniken, die die neue TAVI-Technik einsetzte.

Sie waren eine der ersten OP-Schwestern in Deutschland, die mit der neuen Hybrid-OP-Technik arbeiten durften. Die Ausbildung zur Hybrid-Technikerin (HOT) haben Sie 11 Jahre später gemacht. War das nicht langweilig für Sie?

Ganz und gar nicht. Die Frage nach geeigneten Weiterbildungen stellte sich uns viel eher, doch für diesen neuen Bereich gab es am Anfang keine umfassenden Ausbildungsangebote bis JR Optimiert den Lehrgang „Hybrid-OP-Technologie“ entwickelte. Darüber hinaus gab es weitere Herausforderungen bei der Finanzierung und bürokratisch-strukturelle Hürden. Letztendlich habe ich es meinem Chef Professor Brunkwall zu verdanken, dass ich die HOT-Ausbildung machen konnte. Er konnte es einrichten meine Position auf seine Kostenstelle zu nehmen und somit auch die Ausbildung zu ermöglichen.

Was haben Sie in der HOT-Ausbildung gelernt?

Ich hatte im Laufe der Zeit die praktischen Fähigkeiten erlernt und war überzeugt, dass ich bereits sehr viel weiß und kann. Nach 11 Jahren im Hybrid-OP war dies für mich eine extreme Erfahrung, innerhalb der HOT-Ausbildung zu reflektieren, wieviel ich noch nicht wusste. Die technischen Hintergründe und Zusammenhänge konnte uns in der Anfangszeit 2007 niemand vermitteln und beibringen. Jetzt weiß ich nicht nur, wie man die Geräte am besten bedient, sondern auch warum. Der Strahlenschutz ist ein wichtiges Thema, um die Gesundheit des OP-Teams nicht zu gefährden. Die Arbeit wird einfacher, sicherer, schneller und auch ökonomischer, wenn man die sachlich-fachlichen Zusammenhänge versteht und beherrscht.

Was ist Ihre Position im OP-Team? Wie sehen Ihre Aufgaben aus?

Im Team von Herrn Prof. Brunkwall bin ich im gefäßchirurgischen Hybridsaal fest eingeplant und stehe als HOT instrumentierend am Tisch. Als instrumentierende HOT vereine ich bei uns somit zwei Aufgaben. Dies ist eine Besonderheit unseres Universitätsklinikums, da wir die Aufgabe haben, Assistenzärzten die Ausbildung zu ermöglichen und für Wissenstransfer und Weiterbildung zu sorgen. In kleinen Häusern ist dies, wie ich von meinen HOT-Kollegen weiß, etwas anders. Dort ist es häufig möglich durch den Einsatz eines HOTs auf den Assistenzarzt zu verzichten. Die oder der HOT entlastet den Operateur, der den Fokus auf die OP hat.

Einblick in den Arbeitsplatz Hybrid-OP im Herzzentrum der Uniklinik Köln. Foto: Katrin Schuch

Aus Ihrer persönlichen Erfahrung: Wem würden Sie die HOT-Ausbildung empfehlen?

Ich würde die Ausbildung großen und kleinen Häusern gleichermaßen empfehlen, denn alle profitieren davon. Die Ausbildung ist wichtig für die Mitarbeiter, die konstant im Saal arbeiten, als auch für diejenigen, die in großen Häusern die Mentorentätigkeit und Ausbildung von neuem Personal für den Hybrid-OP übernehmen sollen. Es ist möglich, dass durch die HOT-Kraft kein Assistenzarzt erforderlich sein muss, das Ärzteteam somit entlastet und für andere Aufgaben frei wird. Es lässt sich wirtschaftlicher arbeiten. Viele Anfangsfehler und teure Reparaturarbeiten erübrigen sich durch fachgerechte Bedienungen. Krankenhäuser sollten bedenken, dass gute und motivierte OP-Fachkräfte sich halten lassen, wenn man ihnen neue Chancen und Weiterbildungs-perspektiven bietet. Nach der HOT-Ausbildung ist man natürlich weder MTA noch Radiologe, doch für mich hat die Ausbildung selbst mit jahrzehntelanger Erfahrung sehr viel Sinn gemacht. Es ist ein riesiges Gesamtpaket, in dem von der Röntgenanlage bis zur Klimatechnik alles behandelt wird, um den Hybrid-OP sicher zu bedienen. Es handelt sich um eine hervorragend geplante Ausbildung.

Lassen Sie uns noch einmal sowohl über die kommerziellen als auch über die Sicherheitsaspekte sprechen. Warum sollten Krankenhäuser aus Ihrer Sicht das erforderliche Budget für eine geeignete Hybrid-OP-Ausbildung des Personals einplanen?

Eine OP-Pflegekraft, die die HOT-Ausbildung gemacht hat, kann den Assistenten einsparen und die Hybrid-OP-Technologie sehr ökonomisch und effizient bedienen und einsetzen. Darüber hinaus kann sie das hauseigene Mentoring übernehmen und Wissen an neues Personal weitergeben. Das wichtigste jedoch ist, dass die HOT-Ausbildung wie der Führerschein für den Hybrid-OP ist. Man kann auch ohne Führerschein Auto fahren, doch das ist gefährlich und unsicher, denn es gibt viele Verkehrsregeln zu lernen und zu beachten. Meines Erachtens sollte die Ausbildung für Häuser mit Hybrid-OP verpflichtend sein. Wir waren in Europa die Hybrid-OP-Pioniere und hatten damals keine andere Wahl, doch rückblickend finde ich es traurig, dass ich zwangsläufig so viele Jahre ohne diese essentielle HOT-Ausbildung arbeiten musste. Heute haben die Krankenhäuser die Wahl, denn es gibt diese HOT-Ausbildung und ich empfehle sie dringend. Hier geht es um Verständnis, Sicherheit sowie Mitarbeiter- und Patientenschutz. Das Personal muss geschult sein, um solche großen und komplexen Eingriffe mit der modernen Technologie machen zu können. Das muss anständig erlernt werden und nicht zwischen Tür und Angel.

Wie lautet Ihr Appell an die Verantwortlichen in Kliniken und OP-Betrieben?

Ich würde mir wünschen, dass strukturelle Bedingungen geschaffen werden, um solche essentiell wichtigen Ausbildungen für das OP-Personal einfacher zu finanzieren. Der Bau eines Hybrid-OPs kostet mehrere Millionen Euro, doch für die wichtigen und dringend erforderlichen Weiterbildungen, um diese Technik sicher bedienen zu können, wird häufig kein Budget eingeplant. Es muss deutschlandweit das Bewusstsein entstehen, dass solche Großanlagen nur durch gut geschultes Personal sicher zu bedienen sind. Eine seriöse Fachkraftausbildung für die neue Hybrid-OP-Technologie ist kein Luxus, sondern ein Muss.

Frau Schuch, danke für das Interview! Alles Gute für das gesamte OP-Team im Herzzentrum der Uniklinik Köln.