Empowerment

Patient*innen befähigen, statt entmündigen

Wer trägt die Verantwortung dafür, dass eine OP gut und reibungslos gelingt? Bisher lag der Fokus klinikintern auf Schwerpunkten wie Prozesse, Standardisierung, Hygiene-, Qualitäts- und Zeitmanagement. Eine entscheidende Ressource für das Gelingen der OP wurde dabei übersehen: die Patient*innen. In der Industrie ist es bereits lange üblich, Kunden nach dem IKEA-Prinzip zum Prosumenten zu machen. Das bedeutet, dass Kund*innen gleichzeitig aktive Produzent*innen und passive Konsument*innen sind. Teilbereiche der Wertschöpfung werden auf Kundenseite erledigt und verändern somit die Arbeitsteilung. Übertragen auf Kliniken bedeutet dies, Patient*innen zu befähigen und sie in Vorbereitungs- und Versorgungsprozesse einzubinden. Dadurch ergeben sich wegweisende Vorteile für alle Beteiligten.

Empowerment Patienten befähigen statt entmündigen Kompetenz
Mündige Patient*innen tragen zu einer gelingenden OP-Vorbereitung bei.
Empowerment Patienten befähigen statt entmündigen Kompetenz
Mündige Patient*innen tragen zu einer gelingenden OP-Vorbereitung bei.

Vom Patienten zum Prosumenten

In der Industrie ist es bereits lange üblich, Kunden nach dem IKEA-Prinzip zum Prosumenten zu machen. Das bedeutet, dass Kunden gleichzeitig aktive Produzent*innen und passive Konsument*innen sind. Teilbereiche der Wertschöpfung werden auf der Kundenseite erledigt und verändern somit die Arbeitsteilung. Prosuming ermöglicht es in der Industrie, die Kundenorientierung zu verbessern, die Kosten der Versorgung und der Verwaltung zu senken und die Wettbewerbssituation zu stärken.

Übertragen auf Kliniken bedeutet dies, Patient*innen zu befähigen statt sie zu entmündigen. Es bedeutet, sie in die Versorgung einzubinden, um eine pünktliche Aufnahme, einen zuverlässigen OP-Termin und eine gelingende Behandlung einzubinden. Sofern die Fähigkeiten und Ressourcen bestehen, kann der bzw. die Betroffene sogar einen Teil der Pflegetätigkeiten selbstständig durchführen, sein Essen bestellen, sein Bett machen und selbst entscheiden, ob er frische Wäsche möchte oder nicht. Diese Entscheidungsfreiheiten sind im Hotelgewerbe schon lange üblich und im Sinne der Ökologie und Ökonomie Standard.

Vorbereitende Prozesse digitalisieren

Rund 80 Prozent der Verspätungen und Probleme im OP sind auf die vorgelagerten Prozesse zurückzuführen. Hier liegt im Sinne des Lean Managements der größte Hebel. Die Digitalisierung hilft dabei, unterschiedliche Szenarien zu entwickeln. So wäre es möglich, dass Patient*innen vor der Behandlung einen Link erhalten und selbstständig ein Programm durchführen. Dieses Programm stellt eine zuverlässige Terminplanung und Versorgung sicher und befähigt Patient*innen, Fragen und Missverständnisse auszuschließen und mit allen benötigen Unterlagen korrekt vorbereitet zum OP-Termin zu erscheinen. In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass Patienten falsche Priorisierungen vornehmen oder die Dringlichkeit und Wichtigkeit vorbereitender Maßnahmen falsch einschätzen. So kann es zu einer fahrlässigen und kurzfristigen Absage kommen, weil die Katze krank wird oder der Hunde-Sitter ausfällt. Oder: Die OP kann nicht stattfinden, weil unbedacht blutverdünnende Medikamente eingenommen wurden. Hier ist es wichtig, dass Patient*innen die Bedeutung der vorbereitenden Maßnahmen – auch im eigenen Interesse, verstehen.

Idealerweise gibt es einen transparenten Patientenpfad mit allen erforderlichen Maßnahmen, Informationen und verständlichen Checklisten. Dazu gehören auch logistische Informationen wie die Adresse, Anreise- und Parkmöglichkeiten, Laufwege in der Klinik, Telefonnummer und Ansprechpartner bei unverschuldeten Notfällen (z.B. Vollsperrung auf der Autobahn).

Somit sind Patient*innen planbar und aktiv in alle Vorbereitungen eingebunden und gehen eigenverantwortlich damit um. Dadurch könnten viele Prozesse innerhalb der Klinik harmonisiert, zuverlässiger und einfacher gestaltet und Zuflüsse getaktet werden. Alle Beteiligten kennen alle Parameter: Zeitpläne, Patientenvorbereitung, Besonderheiten, Essensvorbestellung (Allergien, Unverträglichkeiten, Medikamente), Station, Zimmer, Bett, OP-Tag, OP-Ablauf und postoperative Phase bis zur Entlassung. Die Kliniken werden durch die Digitalisierung und die Patientenbefähigung entlastet. Dadurch kann sich die Fachpflege auf die Patient*innen konzentrieren, die so schwer erkrankt sind, dass sie nicht in der Lage sind, zum Prosumenten zu werden. Alle gewinnen durch diese Zusammenarbeit, weil sich die Pflegeintensität individuell auf die unterschiedlichen Bedürfnisse anpasst.

BLICKPUNKT: PATIENTENKOMPETENZ 
Chancen und Potenziale aktiver Patientenbeteiligung

Bei allen medizinischen Leistungsprozessen stehen Menschen im Mittelpunkt – Patient*innen, Mitarbeitende wie auch Ärzt*innen. Verbindliche  und reibungslose Abläufe aller Beteiligten ermöglichen dabei eine sichere, effiziente und wertschätzende Organisation sowie Durchführung von Versorgungsleistungen.

Prähabilitation: Vorbeugen statt nachbehandeln

Ein weiterer Aspekt des Prosumings kann die Prähabilitation sein. Dieser Begriff setzt sich zusammen aus einer präoperativen Rehabilitation. Das Ziel dabei ist, den Allgemeinzustand von Patient*innen soweit zu stärken und verbessern, dass das Risiko für Komplikationen sinkt und sie sich nach der OP möglichst schnell wieder erholen. Dazu ist es wichtig, die Verantwortung und die Mündigkeit der Patient*innen zu fördern und eine gute präoperative Zusammenarbeit zu gestalten. Das gelingt nur, wenn unterschiedliche Disziplinen eng zusammenarbeiten und im Vorfeld steuern, lenken und Maßnahmen treffen. Ein interdisziplinäres und interprofessionelles Team setzt sich aus den Bereichen Psychologie, Ergo- und Physiotherapie, Ernährungswissenschaften und Diätetik zusammen.

Viele geschwächte Patient*innen sind trotz Über- oder Untergewicht mangelernährt und es fehlen wichtige Ressourcen zur Heilung, etwa aufgefüllte Eisenspeicher gegen Blutarmut. Durch Beseitigung solcher Nährstoffmängel lassen sich während und nach der OP Bluttransfusionen vermeiden. Ergänzend begleiten Physiotherapeut*innen die Vorbereitung, um eine schmerzfreie Bewegung nach der OP zu ermöglichen. Eine Raucherentwöhnung oder Verringerung des Tabakkonsums trägt ebenfalls dazu bei, das Risiko für Komplikationen zu senken.

Ein Kritikpunkt ist, dass diese Maßnahmen nicht der Kontrolle der Klinik unterliegen. Die Verantwortung für die Vorbereitung liegt bei den Patient*innen. Allerdings liegt es in der Macht der Klinik, Aufklärungsarbeit zu leisten, die Mündigkeit von Patient*innen zu fördern und ihnen aufzuzeigen, wie sie selbst zu einer reibungslosen OP und einer schnellen Gesundung beitragen können. Es ist möglich und sinnvoll, Patienten mit in die Pflicht zu nehmen.

Die Vorteile für die Patient*innen liegen auf der Hand. Doch auch für Kliniken sind solche Maßnahmen zukunftsweisend. Der Fachkräftemangel wird aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge und der Abwanderung aus den Pflegeberufen ein Zukunftsthema bleiben. Die Versorgung von alten und kranken Menschen wird somit schwieriger und es ist sinnvoll, Patient*innen auf allen Ebenen zu Mithelfern und Verbündeten zu machen.

Unser Apell lautet:

Binden Sie Ihre Patient*innen mit in Ihre Prozesse ein! Wollen Sie mehr darüber erfahren, wie Sie Patienten zu Prosumenten befähigen und vorbeugen statt nachbehandeln? Sprechen Sie uns an. Durch unsere Praxiserfahrung seit 1989 finden wir praktische Lösungen, damit Ihr OP sicher und zukunftsfähig bleibt.

Wie Sie patientenoriente Prozesse gestalten

Effiziente und nachhaltige Lean-Konzepte für ein gesundes und zukunftsfähiges Smart Hospital

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