Eine Frage des Respekts

Ausverkauf der Menschlichkeit – ohne Ethik kein Profit

In unseren letzten Newsbeiträgen haben wir regelmäßig über das Thema Wertschätzung berichtet. Die vielen Reaktionen darauf zeigen: Respekt und Anerkennung scheinen in vielen Einrichtungen zur Mangelware geworden zu sein. Mancherorts kursiert der Irrglaube, Ethik und Profit stünden in Konkurrenz zueinander. Wir fragen uns, warum der Ort, an dem Menschlichkeit, Verständnis und Einfühlungsvermögen elementar sind, um Patient*innen Geborgenheit und Sicherheit zu geben, oftmals keinen Selbstschutz für die Mitarbeitenden bietet. Die Umgangsformen im OP gelten als rau – verkommt der renditeträchtige Funktionsbereich mehr und mehr zur emotionalen Wüste?

Mehr-Respekt-bitte-ohne-Ethik-kein-Profit
Warum Menschlichkeit für Pflegefachkräfte und OP-Verantwortliche nicht nur eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist
Mehr-Respekt-bitte-ohne-Ethik-kein-Profit
Warum Menschlichkeit für Pflegefachkräfte und OP-Verantwortliche nicht nur eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist

Mal im Ernst: Wen interessiert es denn noch, wie wir arbeiten, was wir täglich erleben und was uns nach der Arbeit beschäftigt? Kein Pfleger/Pflegerin hält das bis zur Rente aus. Eine Klinik ist ein reines Wirtschaftsunternehmen geworden. Das darf so nicht sein. Wenn Krankenhäuser nicht nur Profit erwirtschaften müssten, könnten sich Ärzte und Pflegepersonal auch mal wieder Zeit für die Patienten nehmen und ihnen eine ganzheitliche Behandlung zukommen lassen. Doch so wie es jetzt ist, wird es niemals bessere Arbeitsbedingungen und damit auch mehr Attraktivität für Pflegeberufe geben! (Quelle: facebook)

Wenn Respekt und Wertschätzung auf der Strecke bleiben

Solche Kommentare sind keine Seltenheit. Im Gegenteil: Die zahlreichen Diskussionen und Feedbacks von Pflegefachkräften auf unseren Social-Media-Kanälen lesen sich allzu oft wie folgt: „Was hinter Klinikmauern und im OP passiert, bleibt bekanntlich dort. Denn narkotisierte Patient*innen, beispielsweise, taugen nicht als Zeitzeugen. Das anwesende Personal hat sich längst an die mangelnde Wertschätzung gewöhnt oder traut sich nicht, sich zu beschweren. Wo auch? Offene Ohren gibt es häufig nicht. Fachkräfte resignieren, da Beschwerden ins Leere laufen. Hinzu kommt: Wer andere anschwärzt, steht am Ende nur als Petze da und hat lediglich Eigentore geschossen“.

Dabei ist mangelnder Respekt ein Thema, das unternehmerisch ernst genommen werden sollte. In ihrem Buch „Menschlichkeit rechnet sich: Warum Wertschätzung über den Erfolg von Unternehmen entscheidet“ klären die beiden Autoren Stephan Brockhoff und Klaus Panreck auf, warum Respekt kein Luxus, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist.

Einwand: „Das klingt nett, doch das können wir uns nicht leisten“

Wenn von Menschlichkeit die Rede ist, sind sich alle einig: Tolle Idee! Doch im gleichen Atemzug folgen die Einwände. Das könne man sich nicht leisten, schließlich sei man zu klein, der Wettbewerb sei zu stark, der Kostendruck zu hoch. Ob in kleinen Unternehmen oder großen Weltkonzernen, in staatlichen Krankenhäusern oder in privat geführten Kliniken: Überall gibt es Bedenken. Generell herrscht die Annahme, dass Menschlichkeit und Wirtschaftlichkeit sich ausschließen. Entweder, oder – die meisten Entscheider*innen gehen davon aus, dass sie sich zwischen Menschlichkeit und Wirtschaftlichkeit entscheiden müssten.

Erst Menschlichkeit rechnet sich

Brockhoff und Panek zeigen auf: Menschlichkeit rechnet sich! Der respektvolle Umgang miteinander ist kein unternehmerischer Luxus, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Die Pandemie mag den chronischen Personalmangel kurzzeitig verdecken, doch er ist weiterhin existent und wird noch weiter zunehmen. Nach einer Studie von PricewaterhouseCoopers hat das Buhlen um die Ressource Mensch längst begonnen und Krankenhäuser werden die Verlierer im Wettbewerb sein.

Längst können motivierte OP- und Pflegekräfte sich ihren Arbeitgeber aussuchen und messen seine Attraktivität nicht nur am Gehalt. Wichtig sind Mitgestaltungsrechte, Selbstwirksamkeit, Zukunftsperspektiven, Flexibilität, Sinnhaftigkeit und ein konstruktives Betriebsklima, also ein respektvolles menschliches Miteinander.

Ohne qualifizierte Fachkräfte kann keine Klinik existieren. Sie machen den eigentlichen Wert eines jeden Unternehmens aus. Dennoch erleben wir, dass Fluktuationskosten aufgrund mangelnder Menschlichkeit ignoriert werden und nicht in die Wirtschaftlichkeitsrechnung einfließen. Je nach Position belaufen sich diese auf ein bis zwei Jahresgehälter pro Wechsel. Ohne Berechnung bleibt ebenfalls, welches Wissen und welche Erfahrung verloren gehen, wenn erfahrene Kräfte das Unternehmen Krankenhaus verlassen.

Chefsache Respekt

Das respektvolle, konstruktiv-menschliche Arbeitsklima gilt als Voraussetzung für die emotionale Bindung von Mitarbeiter*innen. Es schafft den Rahmen, in dem dank einer hohen intrinsischen Motivation und einer starken Identifikation mit dem Arbeitgeber dauerhaft gute Leistungen erbracht werden können. Respekt spiegelt sich dann automatisch auch außerhalb des Krankenhauses wider: Im Umgang mit Kunden, Geschäftspartnern, Lieferanten, Händlern und Patienten. Dies ist gerade in Zeiten maximaler Transparenz und starker Konkurrenz erfolgsentscheidend.

Das wesentliche Differenzierungsmerkmal zwischen Häusern mit vergleichbarer Spezialisierung ist, neben einer guten Versorgungsqualität, die erlebte Menschlichkeit. Bei der Inanspruchnahme medizinischer Dienstleistungen macht der persönliche Kontakt zwischen Patient*innen und Klinikmitarbeitenden den Großteil einer positiven oder negativen Erfahrung aus. Hier geht es um die emotionale Ebene, das Vertrauen, einen offenen Umgang mit Problemen, Fragen und Wünschen sowie einen patientenorientierten Service. Dieser kann nur von Menschen geleistet werden, die sich sicher und ernst genommen fühlen wollen und deshalb vollkommen hinter ihrem Arbeitgeber stehen.

Handlungsempfehlungen für Führungs- und Fachkräfte

Durch Offenheit, Transparenz und eine wertschätzende Kommunikation werden Konflikte schneller und öfter gelöst, Informationen besser vermittelt, innere Kündigungen vermieden sowie Bestleistungen ermöglicht. Somit kann kosteneffizienter gewirtschaftet werden. Wer bereit ist, die notwendigen Kennzahlen einzuführen, muss feststellen, dass Menschlichkeit kein netter Luxus, sondern ein harter Wirtschaftsfaktor ist. Sie ist Chefsache und Voraussetzung für den langfristigen Erfolg Ihres Krankenhauses. 

Für Führungskräfte: Neues Leadership im OP

Vielerorts funktioniert die starre hierarchische Führung nicht mehr. Doch wie funktioniert Mitbestimmung und menschenorientierte Führung im OP? Dieser Artikel verrät Ihnen mehr: Leadership im OP – Führen in stürmischen Zeiten »

Für Pflegefachkräfte: Auch Sie machen den Unterschied

Falls Sie nicht im Chefsessel sitzen, ist dies keine Einladung zum Jammern oder Resignieren. Jede*r Einzelne hat Einfluss auf das gesamte System und kann Veränderungen in Gang setzen. Wie? Das verraten wir Ihnen in unserer komplett neu überarbeiteten Broschüre. „Mehr Respekt, bitte“ hat schon vielen motivierten Fachkräften dabei geholfen, für einen respektvolleren Umgang im OP zu sorgen. Daher geben wir sie kostenfrei weiter, weil OPs unsere Leidenschaft sind. 

MEHR RESPEKT, BITTE!
So bekommen Sie als Pflegefachkraft die Anerkennung, die Sie verdienen

Jetzt kostenfrei herunterladen und sehr gerne auch mit Ihren Kolleg*innen teilen. Wir verraten Ihnen darin:

  • Warum Wertschätzung bei Ihnen selbst beginnt
  • Wie Sie Angriffen und Vorwürfen den Wind aus den Segeln nehmen
  • Zaubermittel: Trennen Sie Sach- und Beziehungsebene
  • So wehren Sie sich ohne Worte
  • Machen Sie sich unentbehrlich: Investieren Sie in sich selbst
  • Nehmen Sie Einfluss auf die Kommunikations-Kultur
Share on xing
Share on linkedin
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
Share on email
Weitere Beiträge zum Thema:
Sinn schafft Gewinn Josephine Ruppert
Strategie

Sinn schafft Gewinn

Es stimmt, dass Lean Konzepte die systematische Erwirtschaftung von Gewinnen garantieren. Allerdings gilt dies nur, wenn Mitarbeitende die Sinnhaftigkeit von schlanken Prozessketten im Alltag bescheinigen, diese unterstützen und in die Entwicklung mit eingebunden werden.

Weiterlesen »

Hinweis zur Sprache: Mit unseren Inhalten sprechen wir alle Menschen (m/w/d) an. Zur besseren Lesbarkeit verzichten wir stellenweise auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen und wechseln diese – sofern möglich und sinnvoll – ab. Danke für Ihr Verständnis.

War dieser Artikel hilfreich für Sie?

Für's nächste Mal: OP-News direkt ins Postfach!

Jetzt Premium-Vorteile sichern und Newsletter kostenlos abonnieren!

  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

Ihre Daten werden streng vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.