Organisationsentwicklung

Drama-Karussell im OP: Opfer-Täter-Spiele beenden

Seit Jahrzehnten scheinen die Fronten in vielen OPs verhärtet zu sein. Vielerorts ist das Gejammer groß und dennoch bleibt alles beim Alten. Man schiebt sich gegenseitig den schwarzen Peter zu und kreiert wiederkehrende Opfer- und Täter-Dramen. Das tägliche Jammerlied klingt fast überall gleich: „Die Bösen da oben. Die Armen da unten.“ Lesen Sie jetzt, wie Sie dieser toxischen Arbeitsatmosphäre entgehen und eingefahrene Rollenbilder durchbrechen. Verständnis verschafft das so genannte „Drama-Dreieck“ aus der Transaktions-Analyse von Eric Berne, denn in der alltäglichen OP-Seifenoper spielen zumeist 3 Akteure mit. 

Drama-Karussell-OP-Verantwortung-Organisationsentwicklung
Raus aus dem Drama-Karussell im OP: Wie Sie Opfer-Täter-Spiele erkennen und beenden
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Raus aus dem Drama-Karussell im OP: Wie Sie Opfer-Täter-Spiele erkennen und beenden

Das Drama-Dreieck: Die 3 Akteure der OP-Seifenoper

1. Opfer

Das Opfer wird in der Regel repräsentiert durch die OP-Kräfte, die zu viel zu tun hätten, zu wenig Gehör fänden, sich bis zur Leistungsgrenze aufopferten und im Stillen litten. Das Opfer hat die vermeintlich schwächste Position in diesem Rollenspiel. Gleichzeitig kann es alle Schuld von sich weisen, muss keine Verantwortung übernehmen und keine Konsequenzen tragen. Je mehr das Opfer alle Schuld und Verantwortung von sich weist, desto ohnmächtiger fühlt es sich und desto mehr versinkt es im Jammertal.

2. Täter

In der Wahrnehmung vieler Mitarbeiter*innen wird diese Rolle durch “die da oben”, also durch die Geschäftsführung und die wirtschaftlichen Entscheidungsträger ausgefüllt. Es scheint, als ob Entscheidungsträger nur die Zahlen im Kopf hätten, das OP-Personal nicht hörten, es nicht verständen und sogar ausbeuteten und Entscheidungen träfen, die zwar im Sinne der Wirtschaftlichkeit, jedoch nicht im Sinne der Menschen seien. Der Täter wirkt so, als ob er die Macht hätte, um zu steuern, fordern, entscheiden, beschuldigen und zu kontrollieren.

3. Retter

Der Retter wird zum Beispiel repräsentiert durch motivierte Führungskräfte oder durch externe Consulting-Unternehmen. Wie ein Messias sollen diese alles im Alleingang richten. Alle Augen sind auf die Rolle des Helfers ausgerichtet, der ein Wunder bewirken soll. Häufig sind die Rettungs-Aktionen jedoch nicht als Hilfe zur Selbsthilfe angelegt, sondern es wird stattdessen versucht, den Hund zum Jagen zu tragen. Scheitern und Enttäuschungen sind vorprogrammiert. Zurück bleibt die gängige Überzeugung: „Das alles bringt ja auch nichts.

Rollentausch

Ehe Sie sich versehen, rochieren die Rollen. Die armen OP-Kräfte werden zum Täter, indem sie die Klinik verlassen und, zum Beispiel, zum Personaldienstleister wechseln. Entscheidungsträger werden zum Opfer der Umstände, weil sie plötzlich ohne genügend Fachkräfte dastehen und Personal extern und teuer einkaufen müssen. Motivierte Führungskräfte und Consulting-Unternehmen werden vom Retter zum Täter, weil sie so viel versprochen haben und doch nichts zum Besseren ändern. Sie bekommen die Schuld an der Misere. Rettung? Fehlanzeige!

Wege aus dem Jammertal

Schnell wird deutlich: Solange dieses Drama-Dreieck nicht durchbrochen wird, kann in diesem Schauspiel niemand gewinnen. Der einzige Weg, das Drama zu beenden, ist ein Ausstieg aus dem gesamten Spiel.

Bewusst werden

Der erste Schritt ist, die Muster des Drama-Dreiecks zu verstehen und die bisher unbewussten Rollenbilder und Abläufe ins Bewusstsein zu bringen. Fragen Sie sich selbst:

  • Welche Rolle spielen Sie selbst am häufigsten?
  • Welche Rollen spielen Ihre Mitspieler?
  • Welche Rollen haben Sie als Kind erlebt und erlernt?

Rollen durchbrechen

Diese festgefahrenen Muster werden von bestehenden Systemen häufig unterstützt und laufen automatisch ab. Es ist jedoch möglich, sich ganz bewusst gegen die eigenen automatischen Handlungen zu entscheiden.

Spielen Sie gerne das Opfer?

Erkennen Sie selbstkritisch den sekundären Nutzengewinn. Wer Opfer ist, macht keine Fehler, kann alle Schuld von sich weisen und hat die moralisch saubere Weste. Geben Sie diese Vorteile auf. Werden Sie aktiv, unabhängig und übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Situation und Gefühle. Sprechen Sie Ihre Wünsche und Wahrheiten aus, auch wenn Sie dadurch angreifbar werden oder Fehler machen.

Erkennen Sie den Täter in sich?

Bleiben Sie höflich und üben Sie sich in konstruktiver Kritik. Nehmen Sie sich die Zeit, die vermeintlichen Opfer anzuhören und ernst zu nehmen, damit Sie selbst nicht zum Opfer des Systems werden, weil das Personal Ihnen davonläuft.

Sind Sie am liebsten der Retter?

Sie müssen nicht alles im Alleingang schaffen. Nehmen Sie anderen die Verantwortung nicht ab, sondern leisten Sie Hilfe zur Selbsthilfe. Lösen Sie Herausforderungen mit anderen zusammen.

Verantwortung übernehmen

Typisch fürs Drama-Dreieck ist, dass die Schuld im Außen gesucht wird. Doch der einzige Mensch auf dieser Welt, den Sie wirklich ändern können, sind Sie selbst. Beginnen Sie daher im Kleinen anders zu denken, anders zu handeln und anders zu entscheiden. In der Wettertheorie ist bekannt, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings einen Orkan auslösen kann. Genau so können Ihre Veränderungen ebenfalls einen großen Einfluss auf das System „Krankenhaus“ nehmen und Veränderungen zum Besseren bewirken.

Dieser Beitrag soll nicht zum Jammern ermuntern, sondern Ihnen dabei helfen, das gängige Opfer-Täter-Retter-Denken zu erkennen, zu verstehen und zu durchbrechen. Es gehören mindestens zwei dazu, damit es überhaupt so weit kommen kann. In unserem OP-Alltag erleben wir seit mehr als 23 Jahren, dass OP-Kräfte ihren Einfluss nicht sehen und ihre Stimme nicht nutzen. Sie geben schnell klein bei und fühlen sich ohnmächtig, statt für sich und ihre Bedürfnisse einzustehen. Es fängt damit an, das Beeinflussbare zu beeinflussen und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Bedenken Sie, dass das Drama-Karussell sich nur dann weiterdreht, wenn alle Rollen aktiv gespielt werden. Sobald Sie die Entscheidung treffen, abzusteigen, kollabiert oft das gesamte System, da sich dadurch die Abhängigkeiten auflösen. Selbstverständlich werden andere Mitspieler*innen versuchen, Sie in Ihrer bisherigen Rolle zu halten, schließlich fühlen sie sich durch Ihre Veränderung ebenfalls in ihrer Rolle und in Ihrer Identität bedroht. Bedenken Sie jedoch, dass die Rückkehr zu einer offenen und authentischen Kommunikation einen wertvollen Beitrag zur Heilung alter und ungesunder Muster leistet.

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Opfer, Täter, Retter? Schluss mit Schuldzuweisungen. Durchbrechen Sie diese eingefahrenen Rollenmuster bewusst!

Was bedeutet das jetzt für mich und mein OP-Umfeld?

1. Nehmen Sie Einfluss auf Ihre Arbeitsbedingungen

Das Totschlag-Argument „Das ist zu teuer!“ nimmt vielen OP-Kräften den Wind aus den Segeln. Behauptungen wie „Prozessoptimierungen führen doch nur dazu, dass OP-Kräfte länger Kaffee trinken“ führen unmittelbar in die Sprachlosigkeit. Deshalb müssen Gespräche gut vorbereitet werden, mögliche Einwände seziert und Strategien der professionellen Einwandbehandlung vorweggenommen werden.

Fragen Sie nach: „Nur einmal angenommen… wenn Prozessoptimierungen zu zusätzlichen Renditen führen würden, wäre das nicht interessant?

Der Wille, engagiert für die eigenen Arbeitsbedingungen zu kämpfen und sich zu positionieren, gehört mit dazu. Es ist eine Frage des Selbstbewusstseins und des Selbstwerts, Einkaufs- und Budget-Entscheider in den OP-Betrieb einzuladen, damit diese die Anforderungen und Bedürfnisse im praktischen OP-Ablauf verstehen und nachvollziehen können. Gerne können Sie sich auch zusammenschließen: „Wir wünschen uns, dass Sie zu uns in den OP kommen und live erleben, warum die neuen Abdeck-Materialien B für unsere Zwecke so viel schlechter geeignet sind als die alten Abdeck-Materialien A.

Sie selbst machen den Unterschied

Statt zu jammern und zu schimpfen, hat jeder einzelne Mensch die Macht, den Kreislauf der mangelnden Kommunikation, des ausbleibenden Respekts und der kulturellen Armut zu durchbrechen und positive Impulse zu setzen. Bedenken Sie, dass Vorgesetzte häufig nur deshalb sparsam mit Anerkennung sind, weil sie nie gelernt haben zu loben. Auch sie erhalten in der Regel keine Wertschätzung von ihren Vorgesetzten.

2. Sagen Sie, was Sie sich wünschen

Falls Sie kein Feedback bekommen, fordern Sie dieses aktiv ein. Etwa: „Ich möchte wissen, was ich gut mache und wie ich mich verbessern kann.“ Generell gilt bei gesunden Beziehungen eine Quote von 5 zu 1. Wenn Sie 5 Mal etwas Positives zurückmelden, können Sie 1 Mal etwas Negatives sagen, ohne dass es die Beziehung belastet.

Drehen Sie den Spieß um

Machen Sie den Test und nehmen Sie sich bewusst vor, jeden Tag mindestens einer Person des OP-Teams Anerkennung auszusprechen - je konkreter, desto besser. Ein stereotypes Lob wie „Sie sind eine gute OP-Kraft“ ist besser als nichts. Ein erstklassiges Lob schildert Ihre Beobachtung und erfolgt möglichst am selben Tag.

Etwa: „Wie Du das akute Bestell-Problem mit zwei Anrufen gelöst hast, das hat mich beeindruckt. Daran erkennt man Deine jahrelange Erfahrung.“ Beobachten Sie, wie die gelobte Person reagiert. Typisch sind Formulierungen wie:

  • Ach, das ist doch nichts Besonderes.“
  • Das ist mein Job.
  • Das war eine Kleinigkeit.

Lernen Sie, lobende Worte anzunehmen statt sie abzuwiegeln. Sagen Sie einfach „Danke“. Trauen Sie sich auch, Ihren Vorgesetzten hin und wieder ein wertschätzendes Feedback zu geben. Natürlich sollten Ihre Worte ernst gemeint sein, zum Beispiel: „Es ist beeindruckend, wie Sie heute trotz der zahlreichen Komplikationen die Ruhe und die Nerven bewahrt haben. Das hat dem ganzen Team sehr dabei geholfen, ebenfalls ruhig zu bleiben. Danke dafür.

Lassen Sie sich überraschen, was geschieht, wenn Sie sich für eine Kommunikationskultur der Wertschätzung und der Anerkennung entscheiden. Setzen Sie den Kreislauf der gegenseitigen Wertschätzung in Gang.

Worauf es bei der Organisationsentwicklung ankommt

Kliniken sind ebenfalls eingeladen, Fachkräfte maximal zu befähigen, statt sie zu Befehlsempfängern zu erziehen. Mündige und mitdenkende Mitarbeiter*innen sind das Rückgrat eines jeden Unternehmens – das gilt auch für Kliniken und Krankenhäuser. Gerade die nachkommende Generation hat ihre eigene Vorstellung von Mitgestaltung, Mitbestimmung und Co-Kreation. Ist dafür kein Platz, sind junge Menschen schnell weg oder fangen gar nicht erst an. Junge Leistungsträger*innen wollen dort arbeiten, wo sie sich als Menschen ganzheitlich einbringen und entwickeln können.

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Extra-Tipp: Gefahr erkannt – Gefahr gebannt

Leiten Sie diesen Artikel gern innerhalb Ihres OPs und Ihrer Klinik weiter. Je mehr Menschen im Team die Drama-Mechanismen verstehen, desto leichter fällt es, diese gemeinsam zu stoppen und sich gegenseitig daran zu erinnern, eingefahrene Rollen zu verlassen. Sie haben eine gemeinsame Sprache, um zu verstehen, was passiert und um Abhilfe zu schaffen.

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Hinweis zur Sprache: Mit unseren Inhalten sprechen wir alle Menschen (m/w/d) an. Zur besseren Lesbarkeit verzichten wir stellenweise auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen und wechseln diese – sofern möglich und sinnvoll – ab. Danke für Ihr Verständnis.

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